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Schlüsselpunkte:

Asbest-Tapete wurde bis in die 1980er Jahre direkt in der Tapete oder im Kleber angebracht.

Sichtbare Hinweise sind selten. Nur eine Laboranalyse schafft wirklich Gewissheit.

Asbestfasern sind beim Entfernen extrem gesundheitsschädlich.

Die Sanierung darf ausschließlich durch spezialisierte Fachbetriebe erfolgen

Tapeten aus Gebäuden vor 1990 sollten grundsätzlich kritisch geprüft werden.

Asbesthaltige Materialien galten, robust, hitzebeständig und langlebig, wie sie sind, einst als wahre Wunderbaustoffe. Doch was vor einigen Jahrzehnten noch als Vorteil gefeiert wurde, birgt ernste Gefahren. Insbesondere, wenn die Asbestfasern freigesetzt werden, können sie zu einer ernsthaften gesundheitlichen Bedrohung werden. Das Material befindet sich in den unterschiedlichsten Materialien.

So ist es unter anderem weniger bekannt, dass Asbest nicht nur in Dachplatten, Rohren und Fassaden vorkommen kann, sondern auch in Innenräumen – etwa in Tapeten. Die sogenannten Asbest-Tapeten stellen ein unsichtbares Risiko in zahlreichen Altbauten dar. Gerade bei Sanierungen oder Renovierungen in Eigenregie kann eine falsche Handlung fatale gesundheitliche Folgen haben.

Wenn Sie einen Verdacht haben oder sich nicht sicher sind, ob die Tapete in Ihrem Haus eine Gefahr darstellen könnte, ist es besonders wichtig, dass Sie wissen, wie Sie im Zweifel vorgehen müssen.

Warum Asbest in Tapeten?

Besonders zwischen den 1950er und 1980er Jahren reicherte man verschiedene Bauprodukte mit Asbest an. Ziel war es, die mechanische Stabilität, Reißfestigkeit und vor allem die Brandbeständigkeit der Materialien zu verbessern. So blieben auch Tapeten und ihre Verlegeprodukte nicht davon verschont. Statt strikt zwischen Tapete, Spachtelmasse und Kleber zu unterscheiden, bezeichnete man damals alles als “Verkleidungsschicht”. Besonders bei schwer entflammbaren oder schallschluckenden Tapeten mischte man häufig Asbest bei. Zu finden ist Asbest in Tapeten vor allem:

  • direkt in der Tapete selbst, z. B. bei feuerhemmenden Beschichtungen,
  • in der Spachtelmasse darunter,
  • im Kleber, insbesondere bei Dispersionsklebern aus den 1960er bis 1980er Jahren,
  • im Wandaufbau, etwa bei Gipskartonplatten oder „Sauerkrautplatten” mit Asbestanteil.

Ein Problem dieses Vorgehens ist, dass der Asbest häufig nicht direkt sichtbar auf der Oberfläche, sondern fest ins Material eingebettet ist. Die Gefahr entsteht somit erst, wenn die Materialien beschädigt oder mechanisch bearbeitet werden. So kann durch das Schleifen oder Ablösen von Tapeten Asbest freigesetzt werden.

Wie kann ich Asbest in Tapeten erkennen?

Asbest lässt sich nicht mit bloßem Auge erkennen. Die Fasern sind mikroskopisch klein und meist in Bindemitteln wie Kleber oder Farbe gebunden. Es gibt aber einige Warnsignale, die auf eine Asbest-Tapete oder einen asbesthaltigen Untergrund hindeuten:

  • Gebäudebaujahr zwischen 1950 und 1990
  • Besonders schwere oder dicke Tapeten, z. B. Brandschutztapeten
  • Faserige oder bröselige Schichten unter der Tapete
  • Vergilbte Rückseiten alter Tapeten
  • Klebeschichten, die sich beim Abziehen stark zerbröseln
  • Verwendete Markenprodukte aus der Zeit, z. B. Tapeten mit Kennzeichnungen wie “asbestverstärkt”.

Besonders tückisch ist die Tatsache, dass sich das Risiko auch im Putz oder in Spachtelmasse verbergen kann. Auch wenn die Tapete selbst asbestfrei ist, ist es somit nicht ausgeschlossen, dass sich Asbest in den Wänden befindet. Beim Entfernen der Tapete wird dann nicht nur die Deckschicht, sondern auch die belastete Trägerschicht beschädigt.

Typische Fundorte für asbesthaltige Tapeten

Asbesthaltige Wandverkleidungen setzte man früher vor allem dort ein, wo besondere Anforderungen an Brandschutz, Akustik oder Hygiene galten. Dazu gehören:

  • Schulen, Universitäten und öffentliche Verwaltungsgebäude
  • Krankenhäuser, Pflegeheime und andere medizinische Einrichtungen
  • Industrie- und Verwaltungsgebäude, z. B. in Technikräumen
  • Treppenhäuser und Flure in Wohnblöcken
  • Kellerdecken, Heizungsräume oder Nasszellen

Auch in privaten Altbauten, besonders in Fertighäusern oder Nachkriegsbauten, kann die Gefahr von Asbest in den Wänden bestehen. Häufig schlummert unter der Oberfläche mit einem Mix aus verschiedenen Schichten wie alter, asbesthaltiger Spachtelmasse und darüber einer mit Asbestkleber befestigten Papiertapete eine kaum erkennbare Kombination von Baumaterialien.

Welche Risiken bestehen bei Asbest in Tapeten?

Solange die Tapete intakt und unbeschädigt ist, geht vom enthaltenen Asbest kaum eine Gefahr aus. Kritisch wird es jedoch immer dann, wenn:

  • Tapeten trocken entfernt,
  • Untergründe abgeschliffen oder gefräst oder
  • Leitungen oder Steckdosen freigelegt werden.

Bei diesen Arbeiten können feine Asbestfasern in die Luft gelangen. Atmen Sie diese ein, können sie Ihre Lunge nachhaltig schädigen. Typische Krankheiten, die auftreten können, sind:

  • Asbestose (chronische Lungenverhärtung),
  • Lungenkrebs sowie
  • Pleuramesotheliom (eine seltene, aber aggressive Krebsform des Lungenfells)

Diese Erkrankungen treten oft erst Jahrzehnte nach dem Kontakt mit dem Asbest auf. Angesichts dessen unterschätzen viele Menschen das Risiko. Schon das Einatmen einiger weniger Fasern kann ausreichen, um Jahre später schwer zu erkranken.

Wie kann Asbest in Tapeten sicher nachgewiesen werden?

Die einzig verlässliche Methode, Asbest in Tapeten nachzuweisen, ist eine professionelle Materialprobe, die durch einen zertifizierten Betrieb wie Obolus entnommen und im Labor untersucht wird. Dabei gelten strenge Regeln. Die Experten gehen in drei Schritten vor:

  1. Punktuelle Entnahme unter Atemschutz und mit Absaugung
  2. Versand in einem staubdichten Behälter
  3. Analyse im Labor mit Rasterelektronenmikroskopie (REM) oder Polarisationslichtmikroskopie (PLM)

Wichtig: Bei einer solchen Asbestanalyse prüfen die Profis nicht nur die Tapete, sondern auch die darunterliegenden Schichten wie den Putz, die Spachtelmasse sowie den Kleber. Die Untersuchung kostet Sie, abhängig von Anzahl und Art der Proben, etwa 150 bis 400 Euro.

Was tun bei Verdacht auf asbesthaltige Tapeten?

Wenn Sie vermuten, dass Ihre Tapete oder deren Untergrund Asbest enthält, gilt vor allem eines: Finger weg! Unternehmen Sie auf keinen Fall Eigenversuche und reißen oder schleifen Sie nichts ab. Stattdessen sollten Sie:

  • umgehend einen Fachbetrieb kontaktieren (idealerweise mit Zulassung für Gefahrstoffsanierung),
  • eine Probenentnahme und Laborauswertung in Auftrag geben,
  • bei einem Nachweis über Asbest die Sanierung durch einen zertifizierten Asbestsanierer durchführen lassen.

Wichtig: Viele Fehler und Asbestunfälle passieren beim Renovieren “auf eigene Faust”. Auch Heimwerker, die glauben, Schutzmasken oder Lüften würden reichen, unterschätzen die Langlebigkeit und Gefährlichkeit freigesetzter Fasern.

Wie erfolgt die Sanierung und Entsorgung von Asbest-Tapeten?

Ist Asbest in einer Tapete oder dem Untergrund nachgewiesen, nimmt der Fachbetrieb die Sanierung unter streng kontrollierten Bedingungen vor:

  • Abschottung des Arbeitsbereichs, meist mit Unterdrucksystem
  • Nassentfernung der Tapete, um Staubentwicklung zu vermeiden
  • Verpackung des Materials in luftdichten Big Bags oder Folien
  • Reinigung der Umgebung mit Industriesaugern (HEPA-Filter)
  • Endkontrolle durch Luftmessung.

Die entfernten Materialien gelten als gefährlicher Sonderabfall und müssen entsprechend auf einer Deponie für Gefahrstoffe entsorgt werden. In manchen Fällen, etwa bei schwer zugänglichen Decken, kann auch eine Einhausung als Alternative zur Entfernung infrage kommen.

Fazit zu Asbest-Tapete

Asbesthaltige Tapeten stellen, insbesondere bei Renovierungen in älteren Gebäuden, ein kaum sichtbares, aber ernst zu nehmendes Risiko dar. Einen Verdacht sollten Sie niemals auf die leichte Schulter nehmen. Die gute Nachricht jedoch: Moderne Sanierungsmethoden ermöglichen eine sichere Beseitigung. Die Voraussetzung dafür ist natürlich immer, dass sie fachgerecht von einem Experten durchgeführt wird.

Wenn Sie sich unsicher sind, sollten Sie im Umgang mit älteren Baustoffen stets den Rat eines Spezialisten einholen. Denken Sie immer daran: Ihre Gesundheit geht vor! Falscher Ehrgeiz bei der Sanierung kann Sie teuer zu stehen kommen.

FAQs zu Asbest-Tapete

Wie erkenne ich, ob meine Tapete Asbest enthält?

Ob die Tapeten in Ihrem Haus Asbest enthalten, lässt sich eindeutig nur durch eine Laboranalyse feststellen. Verdachtsmomente sind das Baujahr des Gebäudes, faserige Kleber oder schwer entflammbare Tapetenstrukturen.

Warum ist Asbest in Tapeten gefährlich?

Beim Entfernen oder Abschleifen von Tapeten werden unsichtbare Fasern freigesetzt, die beim Einatmen schwere Krankheiten wie Lungenkrebs oder Asbestose verursachen können.

Kann ich Asbest-Tapeten selbst entfernen?

Entfernen Sie Asbest-Tapeten auf keinen Fall selbst. Diese Aufgabe ist laut Gefahrstoffverordnung ausschließlich Fachfirmen mit entsprechender Zulassung erlaubt.

Wie wird Asbest aus Tapeten sicher entfernt?

Fachbetriebe entfernen Asbest-Tapeten unter streng kontrollierten Bedingungen mithilfe von Schutzanzügen, Unterdrucktechnik und Absaugung. Im Anschluss erfolgt die fachgerechte Entsorgung als Sondermüll.

Wie teuer ist eine Asbestuntersuchung für Tapeten?

Die Asbestuntersuchung für Tapeten kostet je nach Probenanzahl und Aufwand zwischen etwa 150 und 400 Euro. Sie darf ausschließlich durch einen Fachexperten durchgeführt werden.

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