Akzeptanzkonzentration Asbest: 10.000 Fasern/m³ am Arbeitsplatz

Viele Menschen sind am Arbeitsplatz einer unsichtbaren Asbestgefahr ausgesetzt, denn die Frage „Wie sieht Asbest aus?“ lässt sich mit bloßem Auge nicht beantworten. Unterhalb der Akzeptanzkonzentration ist das Risiko für gesundheitliche Schäden gering, aber nicht null.

Akzeptanzkonzentration Asbest: Auswertung von Luftproben im Labor

Das Wichtigste in Kürze zu Akzeptanzkonzentration Asbest

  • Die Akzeptanzkonzentration bezieht sich auf den Arbeitsplatz.
  • Sie beträgt 10.000 Asbestfasern/m³.
  • Unterhalb dieses Werts gilt das Risiko als niedrig.
  • Sie bezieht sich auf die tägliche Exposition über ein ganzes Arbeitsleben.
  • Grundlage ist das risikobezogene Maßnahmenkonzept der TRGS 910.

Definition Akzeptanzkonzentration

Die Akzeptanzkonzentration ist die Asbestfaserkonzentration in der Luft am Arbeitsplatz, unterhalb der das Krebsrisiko als niedrig und damit akzeptabel gilt. Sie bezieht sich auf eine tägliche Exposition über das komplette Arbeitsleben. Sie ist kein klassischer Grenzwert, der niemals überschritten werden darf, sondern ein Beurteilungsmaßstab: Je nachdem, ob eine Tätigkeit darunter, dazwischen oder darüber liegt, sind unterschiedliche Schutzmaßnahmen nötig.

Festgelegt wurde dieses risikobezogene Maßnahmenkonzept vom Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) in der TRGS 910. Für Asbestarbeiten, etwa im Rahmen einer Asbestsanierung, wird es in der TRGS 519 konkretisiert. Mit der Novelle der Gefahrstoffverordnung (Dezember 2024) ist die Einteilung in Risikobereiche zudem direkt in der Verordnung verankert.

Aktueller Wert 10.000 Fasern/m³

Der aktuell gültige Wert liegt bei 10.000 Fasern/m³. Er ist auf ein komplettes Berufsleben bezogen, also auf:

  • eine tägliche Exposition
  • 8 Stunden pro Arbeitstag
  • 40 Jahre lang

Eine Absenkung auf 1.000 Fasern/m³ (entsprechend einem Akzeptanzrisiko von 4:100.000) war ursprünglich für 2018 vorgesehen, wurde aber mehrfach verschoben und ist bislang nicht umgesetzt. Bei Arbeiten an Asbestplatten, Asbest Putz oder Asbestdämmung gilt daher weiterhin der Wert von 10.000 Fasern/m³. Auf EU-Ebene ist eine Verschärfung beschlossen: Ab dem 21.12.2029 sinkt der europäische Arbeitsplatzgrenzwert von 0,01 auf 0,002 Fasern/cm³, also von 10.000 auf 2.000 Fasern/m³.

Akzeptanzrisiko 4:10.000 erklärt

Der Akzeptanzkonzentration liegt ein Akzeptanzrisiko von 4:10.000 zugrunde. Das bedeutet: Werden Beschäftigte über 40 Arbeitsjahre täglich dieser Faserkonzentration ausgesetzt, ist statistisch mit 4 zusätzlichen Krebserkrankungen pro 10.000 Personen zu rechnen. Das entspricht einem Risiko von 1:2.500, das als hinnehmbar gilt. Berechnet wurde es aus epidemiologischen Daten, unter anderem über Faserjahre. Es handelt sich nicht um eine Garantie, sondern um eine Wahrscheinlichkeit. Gleichgültig ist dabei, ob die Fasern aus Asbestwolle, Eternitplatten mit Asbest oder einem Asbest Dach stammen.

Unterschied zu Toleranzkonzentration

Der zweite wichtige Wert ist die Toleranzkonzentration von 100.000 Fasern/m³, also zehnmal höher. Ihr liegt ein Toleranzrisiko von 4:1.000 zugrunde. Daraus ergeben sich drei Risikobereiche:

  • niedriges Risiko: bis 10.000 Fasern/m³
  • mittleres Risiko: zwischen 10.000 und 100.000 Fasern/m³, zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich
  • hohes Risiko: über 100.000 Fasern/m³, nicht hinnehmbar ohne umfassende Schutzmaßnahmen

In welchen Bereich eine Tätigkeit fällt, hängt vom Material und vor allem vom Arbeitsverfahren ab, etwa beim Entfernen von Asbest Leichtbauplatten oder Klebern, die Sie als Asbest Kleber erkennen können. Tätigkeiten im hohen Risikobereich dürfen nur behördlich zugelassene Fachbetriebe ausführen.

Schutzmaßnahmen unterhalb Akzeptanzkonzentration

Auch für Arbeiten mit geringer Exposition unter 10.000 Fasern/m³, z. B. beim Ausbau einer Fensterbank mit Asbest mit einem anerkannten Verfahren, gelten Schutzmaßnahmen:

  • Ausführung nur durch einen Fachbetrieb mit Sachkunde nach TRGS 519
  • Anwendung anerkannter emissionsarmer Verfahren (BT-Verfahren nach DGUV Information 201-012)
  • persönliche Schutzausrüstung (mindestens FFP3-Maske und Schutzanzug)
  • Gefährdungsbeurteilung vor Beginn
  • Dokumentation der Arbeiten

Mehr zu kleinen, klar begrenzten Tätigkeiten lesen Sie in unserem Beitrag Arbeiten geringen Umfangs mit Asbest.

Abgrenzung zu Wohnraum-Grenzwerten

Für Wohnräume und andere Innenräume, in denen sich Menschen dauerhaft aufhalten, gelten deutlich strengere Werte als am Arbeitsplatz. Denn dort halten sich auch Kinder, ältere und kranke Menschen auf, und das oft rund um die Uhr. Nach einer Sanierung gilt laut Asbest-Richtlinie:

  • Der Messwert der Asbestfaserkonzentration muss unter 500 Fasern/m³ liegen.
  • Zusätzlich darf die obere Grenze des statistischen 95-%-Vertrauensbereichs 1.000 Fasern/m³ nicht überschreiten.

Während der Sanierung hat der Schutz Dritter oberste Priorität: Angrenzende Räume müssen zuverlässig von Faserfreisetzungen abgeschirmt werden. Zum Vergleich: Als natürliche Hintergrundbelastung gelten etwa 100 bis 150 Fasern/m³. Einen Überblick über alle Werte finden Sie in unseren Beiträgen Asbest Grenzwerte und Welche Menge Asbest ist gefährlich?.

Messung und Nachweis

Für den Nachweis ist eine Raumluftmessung nach VDI 3492 bzw. DGUV Information 213-546 (früher BGI 505-46) erforderlich. Dafür wird ein ausreichend großes Luftvolumen über einen Filter gesaugt, typischerweise im Kubikmeterbereich. Ausgewertet wird in einem akkreditierten Labor: Mit dem Rasterelektronenmikroskop (REM) werden die Fasern gezählt und als Asbest identifiziert. Gezählt werden sogenannte WHO-Fasern:

  • Länge über 5 µm
  • Durchmesser unter 3 µm
  • Verhältnis von Länge zu Durchmesser größer als 3:1

Wichtig: Ein Material-Asbest Test zeigt, ob ein Baustoff Asbest enthält. Die Faserkonzentration in der Luft lässt sich dagegen nur per Luftmessung bestimmen.

Praktische Bedeutung

Die Konzentration bestimmt, welche Verfahren und Schutzmaßnahmen nach TRGS 519 erforderlich sind. Unterhalb der Akzeptanzkonzentration sind einfachere Maßnahmen möglich. Eine Gefährdungsbeurteilung vor Beginn der Arbeiten ist immer Pflicht. Wird die Konzentration überschritten, muss ein aufwendigeres Verfahren mit strengeren Schutzmaßnahmen gewählt werden. Achtung: Auch ein Wert unterhalb der Akzeptanzkonzentration bedeutet nicht, dass die Situation völlig ungefährlich ist.

Fazit zu Akzeptanzkonzentration Asbest

Für Beschäftigte gilt die Akzeptanzkonzentration von 10.000 Fasern/m³. Sie soll das Risiko für gesundheitliche Schäden auf ein niedriges Maß begrenzen, ganz ausgeschlossen sind diese aber nicht. Für Wohnräume gelten deutlich strengere Werte, und auf EU-Ebene wird der Arbeitsplatzgrenzwert ab 2029 weiter gesenkt.

FAQs

Was ist die Akzeptanzkonzentration bei Asbest?

Die Asbestfaserkonzentration am Arbeitsplatz, unterhalb der das Krebsrisiko bei täglicher Exposition während des gesamten Arbeitslebens als niedrig und akzeptabel gilt.

Wie hoch ist die Akzeptanzkonzentration am Arbeitsplatz?

10.000 Fasern/m³.

Was bedeutet Akzeptanzrisiko 4:10.000?

Dass bei 40 Jahren täglicher Exposition in Höhe der Akzeptanzkonzentration statistisch 4 von 10.000 Beschäftigten zusätzlich an Krebs erkranken.

Welcher Unterschied besteht zur Toleranzkonzentration?

Die Toleranzkonzentration liegt mit 100.000 Fasern/m³ zehnmal höher. Zwischen beiden Werten besteht ein mittleres Risiko mit strengeren Schutzmaßnahmen, darüber ein hohes Risiko.

Gilt die Akzeptanzkonzentration auch für Wohnräume?

Nein. Nach einer Sanierung muss der Messwert in Innenräumen unter 500 Fasern/m³ liegen, die obere Vertrauensgrenze unter 1.000 Fasern/m³.

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