Asbest ist seit 1993 in Deutschland verboten, doch die Folgen zeigen sich erst heute. Asbestbedingte Erkrankungen sind nach Angaben der BG BAU die Todesursache Nummer eins am Bau. Allein unter den Versicherten der BG BAU starben in zehn Jahren 3.376 Menschen an einer Asbest-Berufskrankheit. Welche Krankheiten Asbest auslöst, wie lange die Latenzzeit ist, wie die Anerkennung als Berufskrankheit funktioniert und wie man sich heute schützt, lesen Sie hier.

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ToggleDas Wichtigste in Kürze zur Asbest-Berufskrankheit
- Asbestfasern können Asbestose, Lungenkrebs, Kehlkopfkrebs und das Mesotheliom auslösen.
- Zwischen Kontakt und Erkrankung liegen oft Jahrzehnte. Die Latenzzeit beträgt häufig 20 bis 40 Jahre oder mehr.
- Asbestbedingte Erkrankungen sind als Berufskrankheiten anerkannt, unter anderem BK 4103, BK 4104, BK 4105 und BK 4114.
- Laut BG BAU starben in zehn Jahren 3.376 Versicherte an asbestbedingten Berufskrankheiten, allein 2022 waren es 320.
- Wer beruflich Asbest ausgesetzt war, hat Anspruch auf arbeitsmedizinische und nachgehende Vorsorge.
- Der beste Schutz ist, Asbest vor Arbeitsbeginn zu erkennen und fachgerecht zu sanieren.
Warum Asbest so gefährlich ist
Asbest besteht aus feinsten mineralischen Fasern. Werden asbesthaltige Baustoffe beschädigt, gebohrt, geschliffen oder abgebrochen, lösen sich Asbestfasern und bleiben lange in der Luft. Wie lange, lesen Sie im Beitrag Wie lange bleibt Asbest in der Luft. Eingeatmet gelangen die Fasern tief in die Lunge und das Rippenfell. Der Körper kann sie nicht abbauen. Über Jahrzehnte können so chronische Entzündungen und Krebs entstehen. Mehr zu den Risiken finden Sie unter Asbest Gefahr.
Diese Krankheiten löst Asbest aus
| Berufskrankheit | Erkrankung | Hinweis |
|---|---|---|
| BK 4103 | Asbestose (Asbeststaublunge) und asbestbedingte Erkrankungen des Rippenfells | Vernarbung des Lungengewebes, Atemnot, Pleuraplaques |
| BK 4104 | Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs durch Asbest | u. a. bei einer kumulativen Dosis von 25 Faserjahren |
| BK 4105 | Mesotheliom des Rippenfells, Bauchfells oder Herzbeutels | typischer Asbestkrebs, schon geringe Mengen können ausreichen |
| BK 4114 | Lungenkrebs durch Zusammenwirken von Asbest und PAK | Kombination mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen |
Die Faserjahre beschreiben, wie viel Asbest jemand über sein Berufsleben eingeatmet hat. Die genauen Anerkennungsvoraussetzungen beschreibt das Institut für Arbeitsschutz der DGUV. Wie Faserjahre berechnet werden, erklären wir unter Asbest Faserjahre berechnen.
Wichtig: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Wer beruflich mit Asbest gearbeitet hat und Beschwerden wie anhaltenden Husten, Atemnot oder Brustschmerzen bemerkt, sollte ärztlichen Rat einholen und auf die frühere Asbestexposition hinweisen.
Latenzzeit: Warum die Zahlen heute noch hoch sind
Zwischen dem Einatmen der Fasern und dem Ausbruch einer Krankheit vergehen oft Jahrzehnte. Viele Menschen, die heute erkranken, waren in den 1960er bis 1990er Jahren Asbest ausgesetzt, etwa in der Asbestzementproduktion, im Schiffbau oder auf Baustellen. Gleichzeitig entstehen neue Risiken: Beim Umbau und der Sanierung alter Gebäude kommen Handwerker heute ungewollt mit Asbest in Kontakt, wenn niemand vorher geprüft hat, ob Asbest vorhanden ist. Deshalb fordern Berufsgenossenschaften und Baugewerbe eine bessere Asbesterkundung vor Baubeginn.
Anerkennung als Berufskrankheit und Entschädigung
Besteht der Verdacht auf eine asbestbedingte Berufskrankheit, müssen Ärzte und Arbeitgeber dies dem Unfallversicherungsträger melden. Betroffene können den Verdacht auch selbst bei ihrer Berufsgenossenschaft melden. Diese ermittelt dann die frühere Asbestexposition und prüft die medizinischen Voraussetzungen. Wird die Berufskrankheit anerkannt, übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung Heilbehandlung und Rehabilitation und zahlt je nach Fall eine Rente. Hinterbliebene können Ansprüche haben.
Blick nach Europa: Streit um Entschädigung in Kroatien
Wie schwierig Entschädigung sein kann, zeigt ein aktueller Fall aus Kroatien. Ehemalige Beschäftigte einer Asbestfabrik in der Hafenstadt Ploče kritisieren, dass eine Entschädigung nur bei mindestens fünf Jahren Tätigkeit in der Produktion gezahlt wird. Das kroatische Gesundheitsinstitut weist darauf hin, dass schon sechs Monate Exposition schwere Krankheiten verursachen können. Die Betroffenen haben Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt. Die EU hat ihre Empfehlung zu Berufskrankheiten im Dezember 2025 aktualisiert, die Entschädigung bleibt aber Sache der Mitgliedstaaten.
Vorsorge: Was Beschäftigte und Betriebe tun können
- Arbeitsmedizinische Vorsorge: Bei Tätigkeiten mit Asbest ist sie Pflicht. Der Nachweis gehört künftig auch zur Anzeige bei der Behörde.
- Nachgehende Vorsorge: Auch nach Ende der Tätigkeit können sich frühere Asbestbeschäftigte über die Gesundheitsvorsorge der Unfallversicherungsträger regelmäßig untersuchen lassen.
- Qualifikation: Ab 5.12.2027 brauchen alle Beschäftigten mit möglichem Asbestkontakt die Bescheinigung Grundkenntnisse Asbest.
- Schutzausrüstung: Atemschutz mit P3-Filter, Einwegschutzanzug und Absaugung mit H-Klasse-Sauger.
- Gefährdungsbeurteilung: Vor jeder Tätigkeit klären, ob Asbest betroffen sein kann, siehe Gefährdungsbeurteilung Asbest.
- Strengere Grenzwerte: Die EU-Asbestrichtlinie senkt die zulässige Faserkonzentration weiter.
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Prävention beginnt vor dem ersten Bohrloch
Jede Asbest-Berufskrankheit, die heute vermieden wird, beginnt mit einer einfachen Frage: Ist in diesem Bauteil Asbest? Ein Asbesttest im Labor gibt nach wenigen Tagen Gewissheit. Ist Asbest vorhanden, sorgt eine fachgerechte Asbestsanierung und Asbestentsorgung durch einen zugelassenen Fachbetrieb dafür, dass niemand gefährdet wird.
Fazit zur Asbest-Berufskrankheit
Asbest tötet noch immer mehr Menschen am Bau als jede andere Ursache. Weil die Krankheiten erst nach Jahrzehnten ausbrechen, entscheiden die Schutzmaßnahmen von heute über die Gesundheit von morgen. Wer früher Asbest ausgesetzt war, sollte Vorsorgeangebote nutzen und bei Beschwerden ärztlichen Rat suchen. Wer heute saniert, sollte Asbest vorher erkennen lassen und nur qualifizierte Fachbetriebe beauftragen.
FAQs zur Asbest-Berufskrankheit
Welche Krankheiten verursacht Asbest?
Vor allem Asbestose, Lungenkrebs, Kehlkopfkrebs und das Mesotheliom. Sie sind in Deutschland als Berufskrankheiten anerkannt.
Wie lange dauert es, bis Asbest krank macht?
Die Latenzzeit beträgt häufig 20 bis 40 Jahre, teilweise auch länger. Deshalb erkranken viele Menschen erst lange nach ihrer Tätigkeit.
Kann einmaliger Kontakt mit Asbest gefährlich sein?
Das Risiko steigt mit der Menge der eingeatmeten Fasern. Ein sicherer Schwellenwert ist für das Mesotheliom aber nicht bekannt. Deshalb sollte jede Freisetzung von Asbestfasern vermieden werden.
Wie melde ich eine Asbest-Berufskrankheit?
Über den behandelnden Arzt, den Arbeitgeber oder direkt bei der zuständigen Berufsgenossenschaft. Diese prüft dann Exposition und medizinische Befunde.
Was ist das Mesotheliom?
Ein bösartiger Tumor des Rippenfells, Bauchfells oder Herzbeutels. Er wird fast ausschließlich durch Asbest verursacht und ist als Berufskrankheit BK 4105 anerkannt.