Asbesthaltige Putze, Spachtelmassen und Fliesenkleber stecken in unzähligen Wohnungen und Bürogebäuden, die vor 1993 gebaut wurden. Wer dort eine Steckdose setzt, eine Wand öffnet oder Fliesen erneuert, arbeitet schnell mit Asbest. Die überarbeitete Anlage 9 der TRGS 519, die Exposition-Risiko-Matrix, ordnet genau diese Tätigkeiten neu ein. Welche Arbeiten als niedriges Risiko gelten, welche emissionsarmen Verfahren (BT-Verfahren) dafür vorgesehen sind und was das für Handwerker und Auftraggeber bedeutet, erklären wir hier.

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ToggleDas Wichtigste in Kürze zur TRGS 519 Anlage 9
- Anlage 9 der TRGS 519 ist die Exposition-Risiko-Matrix für Tätigkeiten an asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen, Fliesenklebern und ähnlichen Produkten.
- Die Neufassung wurde 2025 im Gemeinsamen Ministerialblatt bekannt gemacht. Geändert wurde nur Anlage 9.
- Alle dort gelisteten Tätigkeiten gelten als niedriges Risiko, wenn das jeweils genannte emissionsarme Verfahren (BT-Verfahren) eingesetzt wird.
- Neu aufgenommen bzw. überarbeitet wurden unter anderem das trockene Bohren von Dosenlöchern, das Entfernen von Fensterkitt, Kernbohrungen im Fußbodenaufbau und das Entfernen von Tapeten.
- Für verantwortliche Personen und Aufsicht werden Qualifikationsmodule für das niedrige Risiko genannt.
- Die Tätigkeiten müssen der Behörde mindestens sieben Tage vor Beginn angezeigt werden.
Was ist die Exposition-Risiko-Matrix der TRGS 519?
Die TRGS 519 ist die Technische Regel für Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten an Asbest. Ihre Anlage 9 ist eine Tabelle, die typische Tätigkeiten an asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern bestimmten Risikobereichen zuordnet. Für jede Tätigkeit nennt sie das passende Arbeitsverfahren, die nötigen Schutzmaßnahmen und die erforderliche Qualifikation. Für Betriebe ist das eine große Erleichterung: Wer sich an die Matrix hält, muss die Exposition nicht für jede Baustelle selbst messen.
Grundlage ist das Risikokonzept mit drei Bereichen: niedriges Risiko bis zur Akzeptanzkonzentration von 10.000 Fasern/m³, mittleres Risiko bis 100.000 Fasern/m³ und hohes Risiko darüber.
Warum Putze, Spachtelmassen und Fliesenkleber so wichtig sind
Asbest wurde bis in die 1990er Jahre nicht nur in Dachplatten und Fassaden verbaut. Kleine Mengen Asbestfasern wurden auch Putzen, Spachtelmassen und Klebern zugesetzt, um sie geschmeidiger und haltbarer zu machen. Mit bloßem Auge ist das nicht zu erkennen. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit von Asbest im Putz ist und woran man asbesthaltige Spachtelmasse erkennt, lesen Sie in unseren Ratgebern. Sicherheit bringt nur ein Asbesttest im Labor.
Neue und geänderte Tätigkeiten in Anlage 9
Die überarbeitete Fassung ergänzt mehrere praxisrelevante Tätigkeiten und ordnet ihnen anerkannte emissionsarme Verfahren zu. Die Verfahren sind mit BT-Nummern in der DGUV Information 201-012 beschrieben.
| Tätigkeit | Emissionsarmes Verfahren | Risikobereich |
|---|---|---|
| Trockenes Bohren von Dosenlöchern, z. B. für Steckdosen | BT 60 | niedrig |
| Rückbau von Wand- und Deckenbereichen | BT 53, BT 57 | niedrig |
| Entfernen von asbesthaltigem Fensterkitt | BT 56 | niedrig |
| Kernbohrungen im Fußbodenaufbau | BT 55 | niedrig |
| Entfernen von Tapeten auf asbesthaltigen Untergründen | BT 54 | niedrig |
Wichtig: Die Einstufung als niedriges Risiko gilt nur, wenn das Verfahren genau wie beschrieben angewendet wird, mit der vorgesehenen Absaugung, Technik und Schutzausrüstung. Mehr zu den Verfahren erfahren Sie in den Beiträgen BT-Verfahren bei Asbest und emissionsarme Verfahren.
Typische Alltagsfälle: Bohren in asbesthaltige Wände, Tapete entfernen, Fliesen mit asbesthaltigem Fliesenkleber oder das Entfernen von Asbestputz. Wer beim Bohren schwarzen oder grauen Staub bemerkt, sollte die Arbeit stoppen und eine Probe untersuchen lassen.
Welche Qualifikation braucht man für Arbeiten nach Anlage 9?
Auch für Tätigkeiten mit niedrigem Risiko gelten Qualifikationsanforderungen. Die verantwortliche Person im Betrieb braucht eine Sachkunde für das niedrige Risiko, die Aufsicht vor Ort eine Kombination aus Grundkenntnissen und dem passenden Modul. Alle Beschäftigten müssen bis zum 5.12.2027 die Bescheinigung Grundkenntnisse Asbest nachweisen. Einen Überblick über den Asbestschein finden Sie ebenfalls in unserem Ratgeber.
Anzeige, Genehmigung und Fristen
- Anzeige: Tätigkeiten an Asbest müssen der zuständigen Behörde mindestens sieben Tage vor Beginn angezeigt werden. Bei wiederkehrenden Arbeiten genügt die unternehmensbezogene Anzeige.
- Genehmigung: Für Abbrucharbeiten im niedrigen und mittleren Risikobereich ist ab dem 20.12.2026 eine Genehmigung nötig. Details im Beitrag Asbest-Genehmigung für Abbrucharbeiten.
- Gefährdungsbeurteilung: Die Einstufung nach Anlage 9 gehört in die Gefährdungsbeurteilung.
- Kleine Arbeiten: Für Tätigkeiten mit sehr geringer Exposition gelten Erleichterungen, siehe Arbeiten geringen Umfangs.
Asbest in Putz, Spachtel oder Fliesenkleber? Wir analysieren Ihre Materialproben und sanieren mit emissionsarmen Verfahren, sauber, dokumentiert und mit Freigabemessung.
Was bedeutet die Neufassung für Auftraggeber?
Für Eigentümer, Vermieter und Hausverwaltungen bringt Anlage 9 vor allem Planbarkeit. Viele kleinere Arbeiten in Bestandswohnungen können mit emissionsarmen Verfahren sicher und ohne aufwendige Schwarzbereiche erledigt werden. Voraussetzung ist, dass vorher klar ist, wo Asbest steckt. Deshalb lohnt sich ein Materialtest vor Beginn, auch wenn es keine gesetzliche Erkundungspflicht für Eigentümer gibt.
Fazit zur TRGS 519 Anlage 9
Die neue Exposition-Risiko-Matrix macht Arbeiten an asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern rechtssicherer. Wer das passende BT-Verfahren einsetzt und qualifiziertes Personal hat, arbeitet im niedrigen Risikobereich. Entscheidend sind eine saubere Gefährdungsbeurteilung, die richtige Anzeige und ab Ende 2026 bei Abbrucharbeiten die Genehmigung.
FAQs zur TRGS 519 Anlage 9
Was regelt Anlage 9 der TRGS 519?
Anlage 9 ordnet Tätigkeiten an asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen, Fliesenklebern und ähnlichen Produkten Risikobereichen zu und nennt passende emissionsarme Verfahren, Schutzmaßnahmen und Qualifikationen.
Ist das Bohren in Asbestputz erlaubt?
Ja, wenn ein anerkanntes emissionsarmes Verfahren eingesetzt wird, etwa für das trockene Bohren von Dosenlöchern. Die Arbeit gilt dann als niedriges Risiko und muss angezeigt werden.
Was sind BT-Verfahren?
BT-Verfahren sind von der Berufsgenossenschaft anerkannte emissionsarme Arbeitsverfahren für Asbest. Sie sind in der DGUV Information 201-012 beschrieben und durchnummeriert.
Darf ich asbesthaltigen Fliesenkleber selbst entfernen?
Privatpersonen sollten das nicht tun. Bei unsachgemäßer Arbeit werden große Mengen Fasern freigesetzt. Lassen Sie die Fliesen von einem Fachbetrieb mit Sachkunde nach TRGS 519 entfernen.